Versuchter Naziübergriff im Kontext von Kundgebung der Corona-Leugner*innen

Im Folgenden dokumentieren wir einen versuchten Naziübergriff im Zusammenhang mit einer Veranstaltungen der Corona-Leugner*innen in Marburg.

Im Nachgang der Kundgebung von “Weiterdenken Marburg” am 5.9.20, bei der unter anderem auch der Rassist und Verschwörungsideologe Walter Weber gesprochen hat, kam es zu einem versuchten Übergriff durch einen Kundgebungsteilnehmer auf eine Person, die laut Beobachter*innen dem Gegenprotest zugerechnet werden kann.

Bei dem Täter handelt es sich nach Angaben um den bekannten Neonazi Manuel M. der auf dem Heimweg von der Kundgebung versuchte einen politische Gegner zu attackieren. Neben verbalen Ausfällen versuchte er die Person auch körperlich anzugehen und verfolgte diesen über mehrer hundert Meter.

Ereignet hat sich dies Angriff aus einer Schnellimbiss in der Biegenstraße heraus, in welchem Manuel M. auch schon vor dem Kundgebungsbesuch bei der Coronaleugner*innen Veranstaltung hinter dem Tresen gesehen wurde.

Mehr Informationen zu der Veranstaltung am 5. September und dem angesprochenen Redner Weber findet sich im Aufruf der Initiative Kein Frieden mit Antisemiten.

Gemeinsam gegen Rassismus, Rechten Terror und Faschismus!

Am Mittwoch, den 19. Februar, wurde ein rechtsterroristischer Anschlag auf People of Color in Hanau verübt. Neun unschuldigen Menschen wurde dadurch das Leben genommen. Der Täter suchte sich als Tatort gezielt zwei Shishabars aus, die für viele junge People of Color einen Rückzugsort darstellten. Nach dem rassistischen Anschlag tötete der Attentäter seine Mutter und sich selbst. Dies ist seit dem Oktoberfest-Attentat 1980 der größte rechtsterroristische Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

In seinem Bekennerschreiben wird die extrem rechte Gesinnung und das rassistische Weltbild des Täters deutlich. Er zählt dort unter anderem viele Statten auf, die seiner Meinung nach ausgelöscht gehören, darunter viele arabische und afrikanische Staaten, sowie Israel. Außerdem wird unter anderem durch seie inhaltlichen Bezüge auf Incel-Kreise sein Frauenhass deutlich. Dieses und weitere Details aus seinem Bekennerschreiben machen klar, dass der Täter ein Faschist war und diese Morde aufgrund seiner faschistischen und menschenfeindlichen Einstellung begangen hat.

Als Bündnis gegen Rechts haben wir, wie andere in vielen anderen Städten, am 20. Februar eine Demonstration organisiert, um unserer Trauer, unserer Solidarität und unserer Wut Ausdruck zu verleihen. Wir sind für alle Personen dankbar, die mit uns gemeinsam an einem so schweren Tag auf die Straßen gegangen sind. Und doch reicht das allein schon lange nicht mehr aus. Es ist nicht lange her, dass Walter Lübcke von dem Neonazi Stephan Ernst erschossen wurde. Und es ist nicht lange her, dass im Zuge eines rechtsterroristischen Anschlags auf eine Synagoge und einen Dönerladen in Halle zwei Menschen ermordet wurden. Seit 1990 gab es in der Bundesrepublik Deutschland mehr als 200 Menschen Todesopfer rechter Gewalt. Trotz dieser ungeheuerlichen Zahl wird durch die immer wieder rezitierte Einzeltäter-These, die sowohl von den Medien als auch staatlicher Institutionen weiterhin propagiert wird, der Rassismus in dieser Gesellschaft verschleiert oder gar ignoriert. In der Berichterstattung wird immer wieder „Fremdenhass“ – als ob die Ermordeten nicht zu unserer Gesellschaft gehört hätten – als Motiv genannt und in Talkshows wird weiterhin rechten Akteur*innen eine Plattform geboten, um ihre reaktionären Ansichten zu verbreiten. Wir nennen es beim Namen: Was passiert ist Rassismus und ein solcher medialer und staatlicher Umgang verharmlost und begünstigt ihn!

Wir erleben leider nicht nur in Deutschland eine Faschisierung gesellschaftlicher Zustände. In diesen Zeiten tragen rechte Parteien wie die sogenannte „Alternative für Deutschland“ mit ihrem Hass und ihrer Menschenverachtung entscheidend dazu bei, diese weiter voran zu treiben. Aus Worten folgen Taten. Aus einem „Wir werden sie jagen!“ wird rechter Terrorismus.

Und auch die sogenannte bürgerliche Mitte hat solche Taten mit zu verantworten, denn sie haben diese Zustände bisweilen nicht nur ignoriert, sondern in Teilen dazu beigetragen: Die Verschärfung des Asylrechts, die Kriminalisierung von Antifaschismus und das Kuscheln mit rechten Akteur*innen zeigen diese Tendenzen deutlich auf. Der sogenannte „Dammbruch Thüringens“, bei dem der FDPler Thomas Kemmerich durch die Unterstützung der AfD zum Ministerpräsident gewählt wurde, um eine linke Regierung zu verhindern, sollte den meisten Menschen in Erinnerung sein. Eine weitere Form der Legitimierung von faschistischen Kräften bleibt die haltlose Hufeisentheorie, welche sogenannten „linken“ und „rechten Extremismus“ auf die gleiche Stufe stellt. Diese unwissenschaftliche Pseudodebatte wird zuweilen genutzt, um die existenzielle faschistische Bedrohung herunterzuspielen und Menschen, die sich antifaschistisch betätigen, im gleichen Zuge mit Repression zu begegnen.

Erneut werden die Stimmen bürgerlicher Parteien laut nach mehr Befugnissen für den Verfassungsschutz und mehr Polizei. Es scheint, dass nach der NSU-Mordserie und ihrer Verstrickungen mit dem Verfassungsschutz sowie den aktuellen Skandalen um rechtsextreme Einstellungen innerhalb der Polizei und der Bundeswehr, nichts dazu gelernt wurde. Der Verfassungsschutz ist nicht die Lösung des Problems, sondern Teil des Problems und gehört abgeschafft. Und die Polizei ist ein strukturell rassistischer Unsicherheitsfaktor. Sie sind für viele marginalisierte Gruppen weiterhin weder Freund noch Helfer.

Bei einer Demonstration kann und darf es nicht belassen werden. Reine Lippenbekenntnisse reichen schon lange nicht mehr aus. Es gilt die Parole: No Pasaran – Keinen Schritt zurück! Denn wir sind als Gesellschaft viel zu viele Schritte zurückgegangen und haben diesen extrem rechten Akteur*innen Platz eingeräumt, um ihre menschenverachtende Ideologie propagieren zu können. Sie müssen auf allen Ebenen zurückgedrängt werden; wir müssen ihnen jede Gelegenheit nehmen ihre Hetze zu verbreiten.

Wir reichen allen Menschen die Hand, die mit uns gegen diese Unmenschlichkeit kämpfen wollen. Wir rufen euch dazu auf, aktiv zu werden und nicht nur zu reagieren. Denn nur gemeinsam können wir was erreichen. Kein Platz für Rassismus!

Wir bleiben solidarisch mit allen Betroffenen rechter Gewalt und stehen ihnen aktiv zur Seite. Wir werden denToten aus Hanau gedenken und ihre Namen nicht vergessen.

Hiç unutmadık, hiç unutmayacağız: – Gökhan Gültekin – Ferhat Ünvar – Hamza Kurtović – Mercedes K. – Sedat Gürbüz – Kalojan Welkow – Bilal Gökçe – Fatih Saraçoğlu – Said Nessar El Hashemi.

Faşizme Karşı Omuz Omuza – Schulter an Schulter gegen den Faschismus!

Rückblick 26.10. “Nazivillen dicht machen!”

Am 26.10. sind wir unter dem Motto “Nazivillen dicht machen – Europa entnazifizieren, in Marburg anfangen!” gemeinsam mit mehr als 750 Menschen auf die Straße gegangen.

Grund dafür war eine erneute Konferenz-Veranstaltung auf dem Haus der Naziburschenschaft Germania Marburg. Mehr zu den Hintergründen findet ihr in unserem Aufruf.

Wir, das Bündnis gegen Rechts Marburg, bedanken uns bei allen, die an diesem Tag mit uns klar gemacht haben: In Marburg ist kein Platz für rechtes Gedankengut! Kein Fußbreit dem Faschismus!

Hier eine kleine Presseschau des Tages:

“Kein Platz für Neonazis” (Oberhessische Presse)

“750 Demonstranten gegen Treffen der ‘Neuen Rechten'” (Hessenschau)

“Warum sich die ‘Neue Rechte’ in Marburg trifft” (Hessenschau)

Demoaufruf: Nazivillen dichtmachen! Gegen den Germania-Kongress!

Demonstration: Samstag, den 26.10., Treffpunkt um 11 Uhr an den Pferdestatuen am unteren Steinweg!

Wir, das Marburger Bündnis gegen Rechts, rufen am 26.10. zur Demonstration unter dem Motto „Nazivillen dicht machen! Europa entnazifizieren, in Marburg anfangen.“ auf. Das Bündnis ist ein Zusammenschluss aus verschiedenen Initiativen, Gruppen, Parteien, Gewerkschaften und weiteren zivilgesellschaftlichen Akteur*innen. Uns verbindet das Streben für eine offene, vielfältige, solidarische und emanzipierte Gesellschaft und gegen Rassismus, Ausgrenzung und faschistisches Gedankengut.

Worum geht es genau:
Am 26.10. lädt die Marburger Burschenschaft Germania zur zweiten Auflage des Jungeuropa Kongresses auf ihr Haus ein. Als einer der Redner ist Diego Fusaro angekündigt. Fusaro steht der „Casa Pound“ und ihrem Hausprojekt in Rom nahe, die sich selbst als „Faschisten des 3. Jahrtausends“ bezeichnen. Er scheut auch keine Kontakte zur protofaschistischen „Fünf Sterne Bewegung“ und unterhält in Mailand einen neurechten ThinkTank, der dem „Institut für Staatspolitik“ in Schnellroda ähnelt. Seine Arbeit dort konzentriert sich auf marxistische Theoretiker wie Antonio Gramsci, die er völkisch umzudeuten versucht. Neben Fusaro ist auch Thor von Waldstein eingeladen. Seine politischen Anfänge ging er als Funktionär des NPD-Hochschulverbandes NHB, dessen Vorsitzender er drei Jahre lang war. Nach einigen Fehlschlägen der Partei, ihre nazistische Ideologie in die Parlamente zu tragen, tritt er seit 2017 vor allem im Umfeld des von Götz Kubitschek initiierten extrem rechten „Instituts für Staatspolitik“ auf und sucht die Nähe der „Identitären Bewegung“, einer Ansammlung von faschistischen Möchtegern-Bewegern. Als letzter im Bund ist John Hoewer angekündigt. Er ist Mitarbeiter der Landtagsfraktion der AfD in Sachsen-Anhalt und Alter Herr der Germania Köln. Darüber hinaus arbeitet er gemeinsam mit dem Marburger „Germanen“ Philip Stein an dessen extrem rechter Spendenplattform „Einprozent“. Stein ist Inhaber des Verlags „Jungeuropa“ und Pressesprecher der Deutschen Burschenschaft. Er zählt zum Kreis der Organisatoren des Kongresses. Gemeinsam mit Hoewer reiste Stein 2017 nach Italien, um sich vor Ort ein Bild von der „Casa Pound“ zu machen.

Dass die Germania kein Naziproblem hat, sondern ein Naziproblem ist, ist in der Stadt hinreichend bekannt. Obwohl es seitens der Burschenschaften körperliche Angriffe auf Journalist*innen gab, über die auch überregional berichtet wurde, spielen die Naziburschenschaft Germania und ihre Schwesterverbindungen Rheinfranken und Normannia-Leipzig seit dem Ende des Marktfrühschoppens in der Stadtöffentlichkeit kaum noch eine Rolle – und erst recht nicht an der Universität.

Aus den Augen, aus dem Sinn…
Ihre Bedeutung als Kaderorganisation und Ausbildungsstätte im völkischen Netzwerk des Rechtsrucks ist dafür umso größer geworden. Zusammen mit dem Völkischen „Flügel“ der AfD und anderen Organisationen der extremen Rechten, z.B. der Spendensammelorganisation Einprozent und den Identitären, versuchen sie in Deutschland den Rechtsruck systematisch voran zu treiben. Die Germania stellt AfD-Mitarbeiter, die in diversen Landesfraktionen die völkische Politik der Deutschen Burschenschaft in die Parlamente tragen. Germanen sind bei den Identitären in führender Funktion aktiv, wie der Landesleiter Hessen, Heinrich Mahling, oder Patrick Bass, der als Rapper „Komplott“ seine rassistische und sexistische Hetze verbreitet. Die Marburger Burschen machen aus ihrer Gesinnung keinen Hehl. Sie publizieren in diversen extrem rechten Zeitschriften, halten Reden bei PEGIDA, organisieren sich in der AfD und mischen in der rassistischen Mobilisierung in Chemnitz mit. Die Burschen der Deutschen Burschenschaft sehen sich selbst als Elite, die den rassistischen Mob auf der Straße anführen soll. Sie hetzen gegen Geflüchtete, gegen die Gleichstellung der Geschlechter, gegen eine offene und pluralistische Gesellschaft. Ein Blick auf die Facebookseite der Germania genügt, um sich davon zu überzeugen. Alle diese Kader wurden in Marburg ausgebildet und haben, meistens still und unauffällig, an der Philipps-Universität studiert. Während noch in 2011 eine Veranstaltung mit dem Kasseler Faschisten Pierre Krebs, auf Druck der Altherrenschaft der Germania abgesagt werden musste, ist das Germanenhaus mittlerweile zu einer der wichtigsten Netzwerkstellen in Hessen geworden, bei der sich die extreme Rechte die Klinke in die Hand gibt. Ob Andreas Lichert oder Götz Kubitschek, ob IB-Gruppe oder die hessische Junge Alternative – die völkische Bewegung trifft sich gern in Marburg und die Veranstaltung kommenden Samstag ist wie ein Geschenk fürsie. Ungestört und intern plant man sich im Haus der Germania über Strategien zu verständigen und Netzwerke zu spinnen, um den gesellschaftlichen Rechtsruck voran zu treiben.

Aber nicht mit uns! Wir überlassen die Stadt nicht unwidersprochen den faschistischen Kräften. Wir bieten ihnen die Stirn! Wir treten in Marburg ein für die Emanzipation und ein solidarisches Miteinander – wir stehen ein gegen Rassismus! Kommt deshalb am 26.10. um 11 Uhr mit uns auf die Straße, wenn es heißt „Nazivillen dicht machen! Europa entnazifizieren, in Marburg anfangen.“

Mobivortrag gegen die 2. Konferenz “Junges Europa” der Burschenschaft Germania Marburg.

Dienstag, 22. Oktober um 20:30 Uhr im Café am Grün.

Am 26. Oktober veranstaltet die extrem rechte Burschenschaft Germania Marburg erneut eine Konferenz unter dem Titel “Junges Europa”. Erwartet werden u.a. Gäste und Redner*innen der faschistischen Casa Pound Bewegung aus Italien, der AfD sowie NPD-Kader. Das darf nicht unkommentiert bleiben! Das Bündnis gegen Rechts Marburg veranstaltet daher am 22.10. einen Mobivortrag zu den Hintergründen und möglichen Gegenprotesten. Achtet außerdem auf weitere Ankündigungen und haltet euch den 26. Oktober frei!

Nazi-Villen dicht machen – Europa entnazifizieren, in Marburg anfangen!

PM: Wider der rechten Landnahme – Nazipropaganda und Übergriffen entgegen treten!

Pressemitteilung des Bündnis gegen Rechts Marburg

Seit einigen Wochen müssen wir feststellen, dass die Präsenz von extrem rechter Propaganda in der Stadt und der Umgebung sehr stark zugenommen hat. Mittels rassistischen Flugblättern, Plakaten
und Stickern versuchen unterschiedliche Naziorganisationen ihre menschenverachtenden Inhalte in den öffentlichen Raum zu tragen. Die Stränge der Organisationen laufen in Marburg immer wieder bei der Burschenschaft Germania zusammen.

Im Rahmen der Europawahl verteilte die Nazi-Kaderpartei der III.Weg in und um Marburg Flugblätter in Briefkästen. Bisher waren in Marburg nur wenig Aktivitäten der Partei zu verzeichnen, ihre Schwerpunkte liegen in Hessen im Raum Westerwald sowie in Fulda. Zuletzt führte die Partei im Februar einen Aufmarsch in Fulda durch, an dem 150 Nazis teilnahmen,
darunter auch Personen aus Marburg. Personell führt die Spur in Marburg auf das Germanenhaus: kürzlich berichtete die Rechercheplattform LSA Rechtsaußen davon, dass Till Weckmüller, Mitglied der Marburger Burschenschaft Germania, aus seiner Zweitverbindung, der Halle-Leoboner
Burschenschaft Germania ausgeschlossen wurde, weil er die Adresse des Verbindungshauses für die Kommunikation zwischen seiner Partei III. Weg und den Behörden benutzt hatte. Er sei nur unter der Prämisse Mitglied geworden, seine Parteiangelegenheiten privat zu halten, so die
Rechercheplattform.

Insbesondere die „Identitäre Bewegung“ versucht in der Stadt ihren Hass zu verbreiten. In der Stadt wurde eine Vielzahl von Aufklebern und Plakate der ihnen nahestehenden Einprozent-Initiative verklebt. Die rechte Spendensammelorganisation EinProzent wird von Philip Stein, Mitglied der Burschenschaft Germania Marburg, geleitet und arbeitet eng mit den Identitären zusammen.

Stein organisierte im November zusammen mit anderen Mitgliedern der Marburger Germania eine Veranstaltung mit dem ideologischen Ziehvater der sogenannten ‚Neuen Rechten‘, Alain de Benoist, gegen die wir als Bündnis eine große und erfolgreiche Demonstration organisierten. Es fanden sich auf dem Haus der Germania Kader der Identitären aus dem ganzen Bundesgebiet, Politiker der AfD sowie Kader und Mitglieder der Partei der III. Weg ein.

Neben den Plakaten haben wir Unmengen von rassistischen und völkischen Aufklebern aus dem Stadtbild entfernen müssen. Beim verkleben wurde drei Mitglieder der Marburger Identitären, die gleichsam auch Mitglieder der Germania Marburg sind, beobachtet. Neben dem Leiter der IB Hessen, Heinrich Mahling, wurden die Aktivisten Franzisko K. Und Nicolas K. erkannt. Bei den Aufklebern fanden sich Motive von Einprozent, aber auch den Identitären selbst sowie der Nazizeitschrift Sezession, für die einige Mitglieder der Marburger Germania regelmäßig schreiben. Die Identitären beließen ihren Willen zur Sachbeschädigung aber nicht beim Kleben von Aufklebern und Plakaten, zwei von ihnen, Heinrich Mahling und Nicolas K., demolierten in der Nacht vom 13. auf den 14.06. zwei Schaukästen am Lahntor, die vom Hessischen Landestheater genutzt werden.

„Wir überlassen den Nazis nicht den öffentlichen Raum. Wir stellen uns ihnen und ihrer Propaganda entgegen und werden nicht müde werden, auf die rechten Netzwerke in und um Marburg hinzuweisen und dagegen zu arbeiten!“, so die Sprecher_in des Bündnis gegen Rechts. Das Bündnis
bittet alle antifaschistisch gesinnten Menschen in Marburg um Mithilfe: Findet ihr Propagandamaterial der Nazis in der Stadt, entfernt es gerne und/oder gebt uns Bescheid. Das Bündnis ist unter der Mailadresse mr-gegen-rechts@riseup.net zu erreichen. Gerne nehmen wir auch das Material entgegen!

Pressemitteilung des Bündnis gegen Rechts zu den Protesten gegen die AfD am 18.05.19 in Marburg-Bauerbach

Protest gegen Gauland und die AfD am 18. Mai 2019 in Marburg-Bauerbach

Für den vergangenen Samstag hat das Bündnis gegen Rechts Marburg zur Demonstration im Ortsteil Marburg-Bauerbach gegen eine Veranstaltung der AfD Marburg-Biedenkopf aufgerufen. Dem Motto „Zusammenstehen – für ein solidarisches Mittelhessen“ schloss sich ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, außerparlamentarische Bewegungen, Zivilgesellschaft, Anwohner*innen und Parteien an. Über 1.500 Menschen folgten dem Aufruf und demonstrierten kreativ und lautstark gegen die AfD.

„Dieser Vorstoß der AfD in die Marburger Stadtgesellschaft zielt auf eine weitere Verschiebung des demokratischen Diskurses ab. Bereits in der jüngeren Vergangenheit ist über die gleiche Taktik das faschistoide Gedankengut der AfD in die gesellschaftliche Mitte gerückt. Der neu gegründete AfD Ortsverband ist der parlamentarische Arm der schon lange vorhandenen reaktionären Kräfte in der Stadt. Für uns und unseren Protest war auch deshalb klar, dass wir den Rassist*innen der AfD nicht kampflos den öffentlichen Raum überlassen werden“, erklärt Leonie Fröhlich vom Bündnis gegen Rechts. Um die AfD-Veranstaltung waren auch erneut Plakate und Sticker der sogenannten Identitären Bewegung aufgetaucht. Dies ist kein Zufall, denn die IB besteht aus rechten Burschenschafts-Kadern aus Marburg, die zum Teil auch beim Aufbau der AfD aktiv sind, wie in der Kampagne Stadt, Land, Volk nachzulesen ist.

Bereits im Vorfeld organisierte das Bündnis gegen Rechts mit Unterstützung der Anwohner*innen Bauerbachs eine Infoveranstaltung im Bürgerhaus, um über die Veranstaltung aber auch die Gegenproteste aufzuklären. „Insbesondere war uns dabei wichtig Ängste und Befürchtungen der Anwohner*innen ernst zu nehmen, die nicht nur von der AfD, sondern auch von den Behörden und durch Flyer der örtlichen CDU geschürt wurden. Wir wollten darüber aufklären, dass keine Gefahr seitens der Gegenproteste gegenüber Bürger*innen besteht. Unser Protest richtete sich einzig und allein gegen die Programmatik und die Kader der AfD, sowie ihr faschistoides Gedankengut.“, ergänzte Sebastian Müller.

Die Protestaktionen waren dabei so vielfältig und kreativ wie die Teilnehmer*innen der Demonstration. Zahlreiche Transparente, Banner und Schilder, die Demo-Zug und Vorgärten zierten, machten deutlich, dass es in Bauerbach keinen Platz gibt für rechte Hetze. Bereits vor Anfang der Veranstaltung waren Demonstrant*innen lautstark präsent, sodass auch das Bauerbacher Bürgerhaus, der Tagungsort, stetig bis weit über das Ende hinaus beschallt wurde. Gemeinsam standen die Demonstrant*innen für ein solidarisches Mittelhessen ein. Für Antifaschismus, Klimagerechtigkeit, offene Grenzen und eine Stadt für Alle, was auch spiegelbildlich von den Bündnis-Gruppen vertreten wird. Rassismus ist keine Antwort auf die soziale Frage.

Aufgrund blockierter Zufahrtsstraßen verspätete sich Alexander Gauland. Als er den Veranstaltungsraum betrat waren nur 48 Personen anwesend, deutlich weniger als von der AfD erwartet. Der deutliche Gegenprotest hielt viele der AfD-Anhänger*innen davon ab die Veranstaltung zu besuchen. „Wir konnten die Veranstaltung maßgeblich stören und insbesondere deutlich machen, dass Veranstaltungen faschistoider Akteur*innen in Marburg und dem Umland keinen Platz haben. Auch in Zukunft gibt es hier keinen Fußbreit für die AfD“, stellt Leonie Fröhlich fest.

Dabei standen wir nicht alleine, gemeinsam mit vielen regionalen und überregionalen Unterstützer*innen konnten wir zeigen, dass Mittelhessen solidarisch zusammensteht. Unser Dank gilt all denjenigen, die solidarisch mit uns am Samstag auf die Straße gegangen sind und täglich über selbst gewählte Aktionsformen für eine befreite Gesellschaft streiten. Nazi sein heißt hier Probleme kriegen!


Für Rückfragen erreichen Sie uns über:
mr-gegen-rechts@riseup.net

Aktionskonsens zur Demo gegen Gauland und AfD am 18.05.19

Das „Bündnis gegen Rechts Marburg“ (BgR Marburg) ist ein breiter Zusammenschluss aus lokaler Zivilgesellschaft, Gewerkschaften, demokratischen Parteien, Kirchen und sozialer Bewegungen. Im
Bewusstsein der Geschichte eint uns die Überzeugung, dass wir nur gemeinsam den Faschismus und sein Wiedererstarken abwehren können. Die Zeiten, in denen Menschen behaupten konnten, sie hätten nichts von der menschenverachtenden, unsozialen und zerstörerischen Politik der AfD gewusst, sind vorbei. Wir wollen und werden es daher nicht kommentarlos hinnehmen, wenn die AfD ihre rassistische Hetze verbreitet.
Unsere Aktionsformen spiegeln dabei die Vielfalt des BgR Marburg wider. Sie sollen allen Menschen, die diese Einstellung teilen, die Möglichkeit geben, sich nach ihren Bedürfnissen einzubringen. Egal ob mit einer Lichterkette, Musik, Kundgebung, Demonstration oder kreativer Störung. Um die Vielfalt der Protestes transparent zu mache, beschließen wir diesen
Aktionskonsens. Er ist Voraussetzung dafür, dass die Aktionen für alle Teilnehmenden gut einzuschätzen sind; er vermittelt, dass wir auch in unserem Protest mit vielen Menschen auf einander achten und uns unterstützen.

Als Bündnis gegen Rechts Marburg sagen wir, was wir tun und werden tun, was wir sagen: Wir werden uns der AfD friedlich, bunt und kreativ in den Weg stellen und den Ablauf ihrer Veranstaltungen auf vielfältige Art und Weise begleiten und stören. Von uns wird dabei keine Gewalt ausgehen. Wir werden uns umsichtig und besonnen verhalten, wir gefährden keine
Menschen. Unsere Aktionen werden ein Bild der Vielfalt, Kreativität und Offenheit vermitteln. Unsere Aktionen richten sich nicht gegen die Anwohnerinnen oder die Polizei. Die Sicherheit der teilnehmenden Aktivistinnen, der Anwohnerinnen und aller Beteiligten hat für uns oberste Priorität.
Wir kommen aus verschiedenen sozialen Bewegungen und politischen Spektren. Gemeinsam übernehmen wir Verantwortung für das Gelingen der Aktionen. Wir wollen eine Situation schaffen, die für alle Teilnehmerinnen transparent ist und in der wir aufeinander achten und uns unterstützen. Wir sind dabei solidarisch mit allen, die Widerstand gegen die AfD leisten.

Alle Menschen, die sich dieser Vereinbarung anschließen, laden wir herzlich ein, sich an unseren Aktionen zu beteiligen

Zusammenstehen – Für ein solidarisches Mittelhessen

Das Marburger Bündnis gegen Rechts ruft auf zum Protest gegen die geplante AfD-Wahlkampfveranstaltung mit Alexander Gauland am 18.05. auf.

Am 18.05. veranstaltet der frisch gegründete AfD-Ortsverband Marburg eine Wahlkampfveranstaltung anlässlich der Europawahl im Bürgerhaus in Marburg-Bauerbach. Als Hauptredner wird der AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland erwartet. Dieser ist in der Vergangenheit bereits häufig durch seinen Geschichtsrevisionismus und Rassismus aufgefallen. Dass die AfD Marburg sich direkt nach ihrer Gründung einen solchen Redner einlädt, lässt vermuten, dass sie mindestens keine Berührungsängste mit dem äußerst rechten Rand der AfD hat oder sogar zu diesem gehört. Wir verstehen es als Provokation, dass der AfD Ortsverband in die Marburger Öffentlichkeit drängt und gleichzeitig motiviert es uns, unsere geballten politischen Kräfte aufzuwenden und uns von Anfang an entschlossen dagegen zu stellen.

Niemand kann mehr sagen, nichts von der menschenverachtenden Ideologie der AfD zu wissen.

Die AfD ist keine Alternative!
Sie bietet keine Antworten auf Sozialabbau, Mietenwahnsinn, Massengrab Mittelmeer und Klimawandel. Es ist unsere zivilgesellschaftliche Pflicht auf die Straße zu gehen, um das diskriminierende, reaktionäre und faschistoide Gedankengut der AfD nicht unkommentiert zu lassen.

Gemeinsam werden wir der AfD den Tag vermiesen und ihre Veranstaltung
lautstark und kreativ stören. Wir wollen aber auch zeigen, wofür es sich
zu kämpfen lohnt.

Lasst uns: Zusammenstehen – Für ein solidarisches Mittelhessen

Demo – 18.05. – 16 Uhr Bauerbach (Kreuzung Bauerbacher Str. / Am Forsthaus – Ortsausgang nach Ginseldorf)
Facebook: www.facebook.com/events/432035250677694

Gemeinsame Anreise ab Marburg:
Treffpunkt – 16:15 Uhr – Hbf Marburg
-> Linie 11: 15:34 Uhr (entspannte Anreise) und
16:34 Uhr (hoher Andrang!)
(Es wird mit einem hohen Andrang bei den Busanreisen gerechnet. Wenn ihr entspannt anreisen wollt, enspehlen wir die Bus Linie 11 um 15.34 Uhr. Das Rahmenprogramm der Demo wurde um eine Stunde auf 16 Uhr vorverlegt.

Antifaschistische Fahrradtour: Treffpunkt – 16 Uhr – Südbahnhof

Infoveranstaltung: 16.05. – 20.30 Uhr – Café am Grün
www.facebook.com/events/333942953934164/

antifa gruppe 5
AStA Marburg
ANTIFA ESTINTORE
DGB Marburg
Die Falken Marburg
Die Linke Marburg-Biedenkopf
Fridays for Future Marburg
Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t
Jusos Marburg
Offenes Antifa Treffen Marburg 
SDS. die Linke Marburg
Seebrücke Marburg


Der AfD keinen Ersten Mai auf Erfurts Straßen – gemeinsame Anreise aus Marburg

 Am Ersten Mai hat die AfD ihre Wahlkampfauftakt für drei Landtagswahlen (in Brandenburg, Sachsen und Thüringen) in Erfurt angekündigt, und will 10.000 Anhänger*innen auf die Straße bringen. Antifaschist*innen, Gewerkschaften, Kirchen und zivilgesellschaftliche Verbände mobilisieren am Ersten Mai überregional nach Erfurt. Und wir auch! 

Kommt mit und stellt euch in Erfurt der AfD entgegen. Es gibt von Marburg aus eine gemeinsame Busanreise nach Erfurt. Ihr bekommt die Tickets für 10€ im Buchladen Roter Stern (Am Grün 28-30; 06421 24787). Abfahrt des Busses ist am 1. Mai um 6 Uhr Ecke Krummbogen/Hbf. Bitte meldet Euch direkt beim Roten Stern, wenn ihr Karten für den Bus kaufen wollt.

Mobi-Veranstaltung mit Infos zur Anreise und zu den Aktivitäten in Erfurt am Ersten Mai: Donnerstag, 25.4. um 20:30 im Café am Grün (neben dem Buchladen Roter Stern)

Infos zu den geplanten Demos und weiteren Veranstaltungen gibt es auf den beiden Bündnisseiten:
http://zusammenstehen.eu/
https://schnauzevoll.noblogs.org/